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Bilder und Text: Karla Hoppe

"Pellestrina ist eine lange schmale Insel aus Sand, der im Lauf der Jahrhundete zu bebaubarem Grund wurde. Sie verläuft in Nord-Süd-Richtung und ist zehn Kilometer lang, aber an keiner Stelle breiter als ein paar hundert Meter. An ihrer Ostseite beginnt die Adria, ein Meer, das nicht für seine Gutmütigkeit bekannt ist; ihre Westseite hingegen begrenzt die Lagune von Venedig und ist daher vor Wellen, Wind und Sturm geschützt. ...
Man erzählt sich viele Geschichten über die Männer von Pellestrina. Alte Venezianer erinnern sich an Zeiten, in denen es hieß, die Pellestrinotti schliefen auf dem Lehmboden ihrer Hütten statt in Betten, damit ihnen das Aufstehen am frühen Morgen leichter fiel und sie sich vom Ebbstrom in die Adria und zu den Fischen hinaustragen lassen konnten. Wie das meiste, was man sich über die gute alte Zeit erzählt und was die Menschen da alles ertragen haben sollen, ist auch dies wahrscheinlich ein Märchen...." so beginnt Commissario Brunettis zehnter Fall, in dem die Autorin Donna Leon die ursprüngliche Insel in der Lagune von Venedig in ihrem Roman "Das Gesetz der Lagune" beschreibt und in dem Brunetti ein Doppelmord aufzuklären hat.

Neugierig geworden nach der spannender Lektüre mit ihrem dramatischen Ende, folgen wir den Spuren von Commissario Brunetti auf Pellestrina und erkunden diesen Insel-Schauplatz. Die Anreise ist zwar nicht so bequem - Brunetti ist schließlich immer direkt und schnell mit dem Polizeiboot unterwegs - wir fahren gemächlicher von Venedig-San Marco mit dem Vaporetto zum Lido, von dort mit Bus Nr.11 mit Überfahrt auf einer Fähre und anschließender Weiterfahrt bis zur Südspitze der Insel Pellestrina - circa neunzig erlebnisreiche Minuten. 

Wie wir schnell feststellen können, Pellestrina ist keine touristische Vorzeigeinsel wie die Inseln Burano oder Murano, alles empfängt uns hier sehr ursprünglich, mit wenig Grün, friedlich und idyllisch - eine spezielle Welt. Ungefähr 5000 Einwohner gibt es auf der langgestreckten Insel, hauptsächlich Fischer und Muschelzüchter und deren Familien sind hier zuhause, von Massentourismus wie auf den anderen beiden Inseln ist nichts zu spüren. 

An ihrer Westseite zur Lagune hin verläuft von Anfang bis zum Ende eine lange Mole, die 'Riva', an der Fischerboote mit ihren Netzen angetäut sind, und auch die 'vongolari' - größere Muschelkutter - mit ihren rechteckigen metallenen Sieben, die über den Meeresboden gezogen werden, um so tonnenweise die Muscheln einzusammeln, u.a. für das italienische Nationalgericht 'spaghetti alle vongole', das ja auch Brunetti, wie wir im Buch lesen, so gerne ißt! Brunettis Bootsführer Bonsuan hingegen sind diese 'vongolari' verhaßt, denn seiner Meinung nach 'mit den verdammten Saugrüsseln zerwühlen sie die Laichplätze, vernichten ganze Kolonien, sie machen alles kaputt'. 'Mittlerweile ist das Ganze aber streng reguliert', berichtet uns der Insel-Muschelzüchter Paolo, 'illegale Methoden des Muschelfangs und konkurrenzträchtiger Kampf um lukrative Muschelbänke, die Themen in Brunettis Fall von 2002 sind, gibt es heute nicht mehr.'

Bunte, meist zweistöckige Häuser der Muschel- und Lagunenschiffer - in rosa, purpur, scharlachroten und gelben Farbtönen - empfangen uns und sind eine malerische, fotografische Kulisse: schmale Durchgänge und enge Gassen, Häuserfassaden mit angelehnten Fahrrädern und flatternder Wäsche, Fenster, in denen die Blumenübertöpfe sogar aus Muscheln sind und einer kleinen weißen Kirche. Während unseres Spaziergangs entlang der Riva geht der Blick immer wieder hinaus in die Ferne zu den kuriosen, im Wasser stehenden Stelzenhütten, in denen die Anrainer ihre Fischereigeräte lagern. Ein seltener Anblick!

An der Ostseite der Insel, zur Adria hin, ist eine begehbare Mauer, die 'murazzi', als Wellenbrecher, 10 Meter hoch und 15 Kilometer lang. Bereits 1744 hat sie der damalige Doge von Venedig gegen Sturmfluten errichten lassen. Jenseits des steinernen Schutzdamms und vieler großer Steinblöcke
vor der oft sehr stürmischen Adria, sieht man nur einen sehr langen Strand, keinen gepflegten weißen, sondern einen hellbraunen, grauen mit viel Treibholz und angeschwemmten Sperrmüll - naturbelassen!

Jetzt im März sind es nur ein paar Touristen und Radfahrer, die wir treffen, im Dorf selbst ist es sehr still, wir sehen wenige offene Läden und treffen nur einige Fischer, denen wir bei ihrer Arbeit zuschauen dürfen und die freundlich in unsere Kameras lächeln. Alles sei 'molto bene' ! 
Ein Ort zum Mußiggang, Verweilen und Ausspannen.

Im Sommer, sagen sie, belebe sich die Insel mit Wochend-Venezianern, Touristen als Tagesgäste und Radlern (ein Radweg führt direkt vom Lido über Pellestrina nach Chioggia), die nicht nur kommen, um aktiv zu sein und sich zu erholen, sondern auch, um die fangfrischen Meeresfrüchte, wie die ' vongole', 'sogliola', 'seppia fritta' oder 'antipasti di mare' zu essen und dazu den herben Weißwein zu genießen. 

Unsere Empfehlung auf Pellestrina:

Das Fischrestaurant 'Da Celeste', das wunderschön mit einer Terrasse direkt über dem Meer liegt und vorzügliche und fangfrische Speisen serviert. 
Buon appetito!

http://www.daceleste.it/daceleste.it/Home.html


Lesetipp:

Donna Leon 'Das Gesetz der Lagune', Commessario Brunettis zehnter Fall, ISBN 3-257-06313-www.zdf.de/ZDFmediathek/.../Pellestrina-in-der-Lagune-von-Venedig/2013

http://www.daserste.de/unterhaltung/film/donna-leon/sendung/das-gesetz-der-lagune-100.html




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